Eine Obduktion an der Rechtsmedizin Jena.

Sound of Decease – oder: Wie klingt der Tod? (Dokumentarfilm)

Dokumentarfilm

Wie klingt der Tod? Gibt es ein bestimmtes Geräusch, das man als letztes hört? Das andere hören?
Personen berichten nach einem Nahtoderlebnis, was sie dabei gehört haben. Wie sich ihre Sicht danach geändert hat. Was man hört, wenn man Sterbende begleitet. Während woanders ein toter Körper fachmännisch nach der Ursache seines Ablebens untersucht wird.
Sphärische Klänge vs. das alltägliche Klappern von Werkzeug – wie der Tod klingt, kann man auf unterschiedliche Weise sehen.

Über den Film

Ein Keller, mitten in Zentrum von Jena. Nur eine Tür trennt den Raum vom Hinterhof, vor dem Zaun laufen Passanten vorbei. Und auf der anderen Seite der Mauer: die Kühlkammer. Manche Fächer sind leer, in einem dagegen liegt ein alter Mann. Er ist tot, und heute Abend, an einem kalten Februarabend steht seine Obduktion auf dem Plan.

Was ein Hinterbliebener hört

Die beiden Ärztinnen sind routiniert. Die Rechtsmedizin Jena ist für ganz Thüringen zuständig, es gibt mehrere Leichen am Tag zu obduzieren, viel Zeit bleibt nicht. Manche Tage sind durchgetaktet, da geht es erst mit mobilem Equipment in ein Krankenhaus, anschließend zurück nach Jena, und pünktlich kommt bereits die nächste Leiche, gebracht von der Polizei. Die Stimmung? Locker. Smalltalk, was es am Tag zuvor im Fernsehen gab, was man gerne zu Mittag essen möchte. So eine Obduktion sieht beim ersten Mal spektakulär und auch etwas einschüchternd aus. Aber es ist ein Job, und Leichen gibt es tausendfach.

Man hört vor allem das Klappern der Geräte, metallisch, Messer im Spülbecken. Das Kreischen der Kreissäge, wenn der Schädel geöffnet wird. Ein Knacken, wenn der Schädelknochen aufgehebelt wird. Ein schwer zu beschreibendes Ziehen und Quietschen, wenn der Beckenboden entfernt wird. Und am Ende nur noch das Plätschern des Wasserstrahls, wenn alles Spuren beseitigt werden. Alles wieder auf Anfang.

Das sind die Geräusche, die man Hinterbliebener wahrnehmen kann. Aber wie ist es für den Verstorbenen? Nun ja, die Frage lässt sich schwer beantworten. Es lässt sich ja niemand fragen. Aber es gibt Menschen, die dem sehr nahe kommen: Man nennt so etwas eine Nahtoderfahrung. Menschen, die für einen bestimmten Zeitpunkt als klinisch tot galten, oder sehr nahe dran waren. Menschen, die hinterher berichten können, was ihnen dabei einzigartiges widerfahren ist.

Was ein Sterbender hört

Sabine Mehne und Prof. Georg Albrecht sind solche Menschen. Beide hatten eine solche Nahtoderfahrung. Beide berichten ähnliches. Sabine Mehne berichtet von sphärischen Klängen. Etwas, dass sich kaum beschreiben lässt. Bis sie eines Tages die Klangsteine von Klaus Fessmann auf Schloß Freudenberg entdeckte. Steine, die, wenn man mit nassen Händen entlang streicht, zu klingen beginnen. Ein Geräusch, dass Sabine Mehne so lange vermisst hatte, dass sie bei der Entdeckung in Tränen ausbrach.

Für Prof. Georg Albrecht war es ein Erlebnis absoluter Gelassenheit. Er konnte sehen, wie sich alle um ihn sorgten, als er während eines Konzertes zusammenbrach. Doch für ihn selbst war alles in Ordnung, er dachte sich nur, warum bemühen sich alle so um ihn, es gehe ihm doch gut, so wie es ist. Die Stille in diesem Moment war es, die ihm im Gedächtnis blieb.

Stille ist es, was beide, Sabine Mehne und Prof. Georg Albrecht heute auch zu schätzen wissen. Er als Komponist und Dirigent, der sein ganzes Leben der Musik gewidmet hat, weiß es zu schätzen, wenn irgendwann einfach Ruhe herrschen muss. Sabine Mehne erträgt mittlerweile lauten Krach kaum noch, Staubsauger und Dunstabzugshauben sind ihr unerträglich. Sie setzt sich ein, das Thema Nahtod zu verbreiten, tritt selbst sogar in einem Kabarett-Stück dazu auf. Das Interesse des Publikums ist ungebrochen, denn wieviele Leute haben schon einen zumindest kleinen Einblick, was einen danach erwartet?

Die Frage: Wie klingt der Tod? lässt sich unterschiedlich beantworten. Je nach eigenem Standpunkt. Und irgendwann wird es jeder für sich selbst herausfinden.

Meine Rolle dabei

Der Film entstand als meine Bachelor-Arbeit an der Bauhaus-Universtität Weimar, im Fach Visuelle Kommunikation. Ich habe ihn dabei komplett alleine als Videojournalist realisiert, vom ersten Konzept, der Recherche hin zum Dreh als Kameramann und den anschließenden Schnitt. Sämtliche Beteiligten waren äußerst hilfsbereit, nur dadurch war der Film überhaupt möglich.

Mit freundlicher Unterstützung durch Netzwerk Nahtoderfahrung, Staatskapelle Weimar, Rechtsmedizin Jena, Schloß Freudenberg.

Für weitere Informationen zum Thema:
Licht ohne Schatten (Buch von Sabine Mehne)
Die Klangsteine von Klaus Feßmann

Kurzinfo

Titel: Sound of Decease – oder: Wie klingt der Tod?

Genre: Dokumentarfilm

Länge: 44min

Konzept, Regie, Kamera und Schnitt: Peter Wedig

Werbeanzeigen